Baggern für Fortgeschrittene

Heute sind wir wieder bei unserem Schmuckkästchen gewesen, um den Tiefbauarbeitern einen guten Tag zu wünschen. Sie haben nicht damit gerechnet, dass heute Nachmittag noch jemand vorbei schaut und dachten, wir wollen sie beim Arbeiten kontrollieren. Der Bauleiter hat sich gleich dafür entschuldigt, dass er grade nur dastand und mit seinem Mitarbeiter gequatscht hat. Who cares? Auch Quatschen gehört zur Arbeit dazu. Ich war sehr überrascht - wenn nicht zu sagen, verwundert- als das Tiefbauunternehmen vor zwei Wochen anrief und uns mitteilte, dass der Termin für den Gasanschluss schon in den nächsten Tagen erfolgen sollte. Denn der O-Ton Mitte Oktober war noch, dass die Verlegung sich noch acht bis zehn Wochen dahinziehen kann und wenn es friert, dann weiß Gott wann der Gasanschluss erfolgen kann. Wenn der Worst Case eingetroffen wäre, hätte sich das ganze Vorhaben nach hinten verschoben. Wir wollten unbedingt, dass der Gasanschluss frühstmöglich erfolgt, damit mit den Umbaumaßnahmen im Keller und an der Elektrik begonnen werden kann. Bauherren und Zeitpläne gehen nicht gerne Hand in Hand. Zeitpläne sind ein windiges Ding, sie bleiben gerne flexibel und ungebunden.

Zunächst einmal freue ich mich aber darüber, dass der Gasanschluss erfolgt und auch, dass die Koordination und die Absprachen mit dem Tiefbauer und dem Telekommunikationsanbieter so gut funktioniert haben. Wie ihr wisst, ist unser Haus ein Reihenmittelhaus und der Telefonanschluss verläuft vom Reihenendhaus eines Nachbarn durch die Keller aller anderen Nachbarn. Es gibt also keinen vom Nachbarn unabhängigen Anschluss und da der Nachbar mal im Urlaub sein könnte oder es eben nicht selten vorkommt, dass Nachbarn sich in einem hitzigen Nachbarschaftsstreit eins auswischen wollen, wollten wir auf der sicheren Seite sein und unseren eigenen, unabhängigen Telefonanschluss verlegen lassen. Das Internet ist unser täglich Brot! Den Auftrag haben wir über den Bauherren-Service des Telekommunikationsanbieters vergeben und nach einigen Telefonaten zwischen Telekommunikationsanbieter und Tiefbauunternehmen konnten wir innerhalb nur einer Woche regeln, dass der Telefonanschluss gleich mit dem Gasanschluss zusammen verlegt wird und es wird sogar ein Leerrohr für das Glasfaserkabel mitverlegt. Die Kleinstadt ist doch nicht abgehängt! Wann der Glasfaseranschluss tatsächlich erfolgt, steht aber noch in den Sternen.

Grube für den Gasanschluss Fertiger Gasanschluss

Am späten Nachmittag erwartete uns noch der Fliesenleger in seiner Ausstellung. Wir haben uns von ihm ein Angebot für den Keller erstellen lassen und es soll auch noch ein zweites Angebot für den Flur, den Windfang, die Küche und das Gäste-WC erstellt werden. Dafür wollten wir uns noch Fliesen bei ihm vor Ort ansehen, denn wir können uns einfach nicht entscheiden, welche wir nehmen. Die Entscheidung für die Wandfliesen im Gäste-WC ist schnell gefallen und auch bei dem Fliesenspiegel in der Küche waren wir uns schnell einig, aber welche Bodenfliesen sollen wir bloß nehmen? Wir haben jetzt schon jede Stilrichtung durch. Zunächst hatte ich mir im Flur schöne Zementfliesen im spanischen Stil vorgestellt, weil sie mich an meine Zeit in Barcelona erinnern. Nachdem wir aber das Parkett für Küche und Flur und die Verlegeart Englischer Verband gewählt haben, erschienen mir die farbenfrohen Zementfliesen zu unruhig. Jetzt schwanke ich zwischen dunkel- oder hellgrauen matten quadratischen Fliesen, aber final entscheiden kann ich mich nicht. Ich spreche die Tage mit dem Parkettleger und lasse all meinen Charme spielen, um das Parkettmuster übers Wochenende mitzunehmen und an verschiedene Fliesen dran zu halten.

Wenn man ein Haus umbaut, hat man grundsätzlich sehr viele, sehr sehr viele Entscheidungen zu treffen. Vom Bodenbelag bis über Küche zur Glühbirne. Am Ende gibts’s natürlich nicht alles, was man will und was man sich in seinem Kopf vorgestellt hat. Das Budget und die Realität bestimmen über die Entscheidung und man muss bereit sein für Kompromisse. Entscheidungen und Kompromisse werden zwei Themen sein, mit denen ich mich die nächsten Tage intensiv auseinandersetzen werde, denn so langsam liegen mir so gut wie alle Angebote der einzelnen Gewerke vor und es geht nun darum, zu rechnen, zu verhandeln und Aufträge zu vergeben. Letzten Endes geht es darum, sich zu entscheiden, Kompromisse einzugehen und trotzdem zufrieden zu sein.