Wir sanieren ein altes Reihenhaus und womit fangen wir an?

Björn lässt seinen Blick von links nach rechts schweifen und kratzt sich am Kopf: „Womit fangen wir als Erstes an? Wie und mit welchen Sanierungsmaßnahmen beginnen wir?“ Bei der ersten Besichtigung des Hauses schienen die Gemütlichkeit und der Wohnkomfort zu überwiegen. Jetzt haben wir das Haus gekauft und stehen mittendrin und vor der Mammutaufgabe Kernsanierung. Wir haben bisher keine Erfahrung mit Projekten solchen Ausmaßes und auch in unserem Freundes- und Bekanntenkreis kennen wir niemanden, der uns dabei helfen kann. Björn und ich laufen durch das Haus, vom Erdgeschoss bis zum Obergeschoss und dann hoch zum Dachgeschoss. Wir haben lauter Ideen, was gemacht werden sollte. Das Haus wurde 1966/67 erbaut und es hat diesen typischen Charme, der vergangenen Jahre. “Diesen müssen wir um jeden Preis erhalten. Er gehört zum Charakter des Hauses.”, denken Björn und ich. In dem Punkt sind wir uns schon mal einig, aber wie und wo fangen wir denn jetzt mit der Reihenhaussanierung an?

Mist. Ich schnappe nach Luft. Heizung, Haustür, Fenster, Fassade und Fassadendämmung, Dach, Warmwasserrohre - wo soll das enden und wer soll das bezahlen?

Da wäre zunächst die Umrüstung der alten Ölheizung auf eine neue Heizungsanlage, die Fenster, die teilweise noch aus dem letzten Jahrtausend sind und die Elektrik ist auch nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Uns fallen tausend Dinge auf, die wir auf unsere mentale To-Do Liste schreiben und am Ende des Tages schwirrt uns der Kopf. Ich verbringe den nächsten Tag mit stundenlangen Recherchen im Internet und stoße zufällig auf das Gebäudeenergiegesetz. Nein, GEG ist in dem Fall kein Witz. Ich frage mich, welche Auswirkungen dieses Gesetz nun auf uns hat. Das GEG sieht eine Austausch- und Nachrüstpflicht für alle Ein- und Zweifamilienhäuser vor, wenn man nicht schon vor 2002 als Eigentümer diese Immobilie bewohnt hat. Einfacher ausgedrückt, müssen alle Hauskäufer nun mit einer Sanierungspflicht rechnen und die Vorgaben innerhalb von 2 Jahren nach Kauf umsetzen, sonst droht ein saftiges Bußgeld. Mist. Ich schnappe nach Luft. Heizung, Haustür, Fenster, Fassade und Fassadendämmung, Dach, Warmwasserrohre - wo soll das enden und wer soll das bezahlen? Ganz zu schweigen von den Schönheitsmaßnahmen, wie Bodenbelag und Tapeten.

Schlafzimmerwand am Fenster Neue Wand aus OSB-Platten

Meine zweiter Gedanke dreht sich um die Schnäppchenhäuser auf RTL II - ich gestehe, ab und zu schaue ich mir die Sendung an. Wenn man jetzt innerhalb von zwei Jahren nach Hauskauf komplett energetisch sanieren muss, werden sich wohl keine Kandidaten mehr für die Sendung finden. Unser Plan war es, zunächst einmal das Innere des Hauses zu sanieren und dann einzuziehen, um Mietkosten einzusparen und die großen Posten wie Fassadenerneuerung, Dämmen und Erneuern der Dacheindeckung in den nächsten 5 bis 7 Jahren umzusetzen, wenn wir das nötige Kleingeld dafür zusammen haben. Ich schicke die Seite mit dem Gesetz dem Schwiegervater, damit er uns seinen juristischen Rat dazu gibt. Zum Glück kann er uns etwas beruhigen und wir beschließen am ursprünglichen Plan festzuhalten. Zur Absicherung sprechen wir auch mit einem städtischen Energieberater. Auch er beschwichtigt uns mit den Worten: „Keine Panik. Wer soll das denn kontrollieren? Sie bewohnen das Haus selbst. Wenn Sie vermieten wollten, sähe die Sache ganz anders aus. Aber wo kein Kläger, da kein Richter.“ Er rät mir trotzdem dazu einen energetischen Berater aufzusuchen und uns einen Sanierungsplan für die energetische Sanierung erstellen zu lassen. Wegen der Fördermittel.

Zum Thema Energieberater hat der Dachdecker gemischte Gefühle, denn einerseits kann man sich einen Teil der Kosten als Zuschuss zurückzahlen, andererseits sind die energetischen Anforderungen, um diesen Zuschuss zu erhalten, oft so überzogen, dass es zu Mehrkosten kommt, sodass man am Ende bei plus minus null rauskommt oder schlimmstenfalls draufzahlen muss.

Nach langem Hin und Her haben wir uns doch dafür entschieden zeitnah die Fassade zu erneuern. Der Termin mit dem Dachdecker war auch unser erster Handwerkstermin. Wir haben uns schon vor der offiziellen Schlüsselübergabe mit ihm am Haus getroffen und er hat sich die Fassade von außen angesehen. „Sie müsste auf jeden Fall in den nächsten Jahren erneuert werden. Es handelt sich um eine Holzfassade und das Holz ist mittlerweile aufgequollen und gesprungen. Es besteht die Gefahr, dass Feuchtigkeit ins Innere eindringt und sich Schimmel bildet.“ Da wir ein Holzhaus, ein sogenanntes Schwedenhaus haben, ist Feuchtigkeit neben Feuer unser größter Feind. Zum Thema Energieberatung hat der Dachdecker gemischte Gefühle, denn einerseits kann man sich einen Teil der Kosten als Zuschuss zurückzahlen, andererseits sind die energetischen Anforderungen, um diesen Zuschuss zu erhalten, oft so überzogen, dass es zu Mehrkosten kommt, sodass man am Ende bei plus minus null rauskommt oder schlimmstenfalls draufzahlen muss. Das Thema Energieberater haben wir nach diesem Termin zunächst ad acta gelegt. Aber womit wir zunächst bei einer Haussanierung beginnen, wissen wir nach wie vor nicht.

Wohnzimmerwand

Da der Schwiegervater gute Kontakte zum Handwerk hat und einige Handwerker kennt, mit denen er in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht hat, klemmt er sich hinters Telefon und telefoniert seine Kontakte ab. In den nächsten Wochen reiht sich ein Handwerkstermin an den nächsten. Wir lassen die Fachmänner die Immobilie begutachten und ihre Meinung dazu abgeben. Was uns am Anfang als unüberschaubare Mammutaufgabe vorkam, erhält langsam einen roten Faden.

Mit diesen Gewerken haben wir uns getroffen:

  1. Dachdecker
  2. Elektriker
  3. Küchenbauer
  4. Trockenbauer
  5. Maler
  6. Tischler
  7. Fensterbauer
  8. Heizung und Sanitär
  9. Fliesenleger
  10. Parkettleger
  11. Estrichleger
  12. Zweiter Maler
  13. Zweiter Fliesenleger

Wir haben zunächst eine Liste mit möglichen Gewerken und Handwerksunternehmen zusammengestellt und anschließend Besichtigungstermine im Haus vereinbart. Die Handwerker haben das alte Haus begutachtet und uns anschließend ihre Fachmeinung dazu gegeben, was und wie saniert werden kann. Wir haben Angebote von Handwerkern eingeholt, teilweise auch Vergleichsangebote. Mit einigen Gewerken, die sich untereinander abstimmen müssen, wie der Fensterbauer und der Dachdecker haben wir noch weitere gemeinsame Abstimmungstermine im Haus ausgemacht, damit letzte Fragen vor der Angebotserstellung geklärt oder Änderungen an den Angeboten vorgenommen werden konnten. Alle Kostenvoranschläge haben wir in einer Tabelle gesammelt, Preise verglichen und Summen addiert. Wir haben schnell festgestellt, dass wir mit dem veranschlagten Budget so nicht hinkommen werden, wenn wir alles umsetzen, was uns vorgeschlagen wird. Beachten sollte, wer sanieren möchte, dass die Gesamtkosten einer Modernisierung etwa das ein- bis zweifache des Kaufpreises betragen können. Im Internet findet man verschiedene Angaben zu Sanierungskosten pro Quadratmeter Wohnfläche. Allerdings sollte man sich auf diese Angaben nicht verlassen und bevor man von zusätzlichen Kosten überrascht wird, sollte man noch großzügig 15 bis 20 Euro drauf schlagen. Das Groß sind dabei natürlich die Kosten für Handwerker. Wer kann und möchte, kann auf Handwerker verzichten und stattdessen einige Sanierungsarbeiten selbst übernehmen.
Arbeiten selbst erledigen, kommt für uns allerdings nicht in Frage, da es uns an Zeit und Talent mangelt.

Unser Haussanierungsplan sieht folgendermaßen aus:

Das Innere des Hauses für die Sanierung vorbereiten: Der Elektriker legt alle Leitungen tot und wir erhalten Baustellenstrom und zwei Baustellenstrahler. Die Holzpaneele in Wohnzimmer, Küche, Treppe, Flur werden entfernt. Die Wand zwischen Küche und Wohnzimmer wird entfernt und es werden Holzbalken als Stützen eingesetzt. Wir nehmen die Tapeten von den massiven Außenwänden ab. Alle Deckenleisten und Fußbodenleisten werden abgenommen. Wir entfernen alte Deckenlampen, Spiegel, Regale und Haken. Da der Estrich gebrochen ist, wird dieser rausgeschlagen. Wir entfernen im Inneren die Fensterrahmenverschalung, die an den Wänden angebracht sind. Die Wand- und Bodenfliesen werden im Erdgeschoss rausgeschlagen. Die Türen und Türzargen werden entfernt. Auf Anraten des Tischlers bauen wir die zwei Einbauschränke im Schlafzimmer und in Björns Büro aus und lassen eine Wand aus OSB-Platten setzen, damit im Schlafzimmer ein Einbauschrank über die gesamte Wandlänge gesetzt werden kann. Da der Küchenbauer seine Schränke noch irgendwo befestigen muss, werden die Holzbalken mit Rigipsplatten verkleidet und eine Wand wird tiefer in den Raum gesetzt.

Neue Wand in der Küche

Jetzt können die Aufbauarbeiten beginnen: Im Keller werden alte Rohre im Heizungsraum entfernt, damit der neue Stromkasten angebracht werden kann. Wir machen uns Gedanken darüber, wo wir wie viele Steckdosen brauchen, welche Lichtschalter und Ethernetanschlüsse gelegt werden sollen.

  1. Die Elektroarbeiten beginnen. Wir markieren im Haus an welche Stellen Steckdosen, Ethernet, Schalter und Lampen angebracht werden. Wir gehen mit den Elektrikern durch das Haus und sie zeichnen unsere Überlegungen in ihre Pläne ein.
  2. Der neue Estrich wird gegossen. Die nächsten 14 Tage kann die Baustelle nicht betreten werden.
  3. Nachdem die Elektrik gelegt wurde, lassen wir die Stellen verputzen, an denen gefräst werden musste. Auf alle Wände werden Rigipsplatten befestigt, bis auf die Fensterseiten. Im Wohnzimmer wird die Terrassentür verbreitert und das Loch wird mit einer OSB-Platte verschlossen. In der Küche wird durch die Fassade eine Öffnung für den Dunstabzug gelegt und erst einmal mit einer OSB-Platte verschlossen.
  4. Jetzt werden neue Fenster gesetzt und wir erhalten eine neue Haustür.
  5. Die Heizkörper werden demontiert.
  6. Im Bad werden neue Leitungen gelegt und die Wände werden verputzt.
  7. Wir erhalten Rigipswände auf die Fensterseiten und lassen Fensterbänke anbringen.
  8. Der Maler kommt und tapeziert und streicht dort, wo die Heizungen sitzen.
  9. Jetzt kann die Heizung und die Heizkörper getauscht werden.
  10. Wir kriegen Fliesen im Flur und im Gäste-WC EG und DG.
  11. Wir schleifen die Holzpaneele im Dachgeschoss und im Flur EG ab.
  12. Alle drei Treppen werden abgeschliffen und abgedeckt.
  13. Im OG werden die Holzdielen geschliffen.
  14. Das Parkett wird in Wohnzimmer und Küche verlegt.
  15. Die Küche wird eingebaut.
  16. Die Treppen werden gestrichen oder geölt, das müssen wir noch entscheiden.
  17. Wir lassen neue Sanitärgeräte (Klo/Waschbecken) im EG und DG setzen.
  18. Der Maler kommt zum Tapezieren und Streichen.
  19. Der Elektriker schließt alle Lampen an.
  20. Wir ziehen ein.

Auf die Planungsschritte ab Punkt 18. freue ich mich ganz besonders. In meinem nächsten Artikel lasse ich euch wissen, wie mein Moodboard für das Haus aussieht und was ich mir für die neue Küche vorgestellt habe.