Zufallsbegegnung oder wie wir dazu kamen, ein Reihenhaus zu kaufen

Unser Hauskauf war eine spontane Aktion, ein Impulskauf, aber ohne Umtausch oder Rückgaberecht. Ich konnte es mir bisher nicht vorstellen, dass es einen vorgegebenen Weg für ein Menschenleben gibt. Ich glaubte an Zufall und eine Portion Glück und daran, dass man sein Leben selbst in der Hand hat und es beliebig lenkt. Aber so etwas wie das Schicksal muss es einfach geben. Anders kann ich mir das Geschehene der letzten Jahre nicht erklären. Für mich ist das Schicksal, die Vielfalt der Möglichkeiten und erfreulichen Gegebenheiten, die sich im Verlauf meines Lebens für mich ergeben und ich kann mich für die eine Möglichkeit und gegen eine andere entscheiden. Letzten Endes bestimme ich den Fortgang meines Lebens selbst. Dass ich aber meine große Liebe getroffen habe, kurz nach der Ankunft in Hannover, dann das Stipendium für ein Auslandspraktikum, auf das ich gestoßen bin und natürlich die gemeinsame Wohnung, die wir durch ein Weihnachtsfrühstück gefunden haben. Das alles sind Möglichkeiten, die mir das Schicksal gegeben hat und für die ich mich entschieden habe.

Für mich ist das Schicksal, die Vielfalt der Möglichkeiten und erfreulichen Gegebenheiten, die sich im Verlauf meines Lebens für mich ergeben und ich kann mich für die eine Möglichkeit und gegen eine andere entscheiden.

Auch unser Haus war für mich solch eine dieser Möglichkeiten. Ich hätte niemals erwartet 2021 ein Haus zu kaufen, geschweige denn in den nächsten 1-2 Jahren umzuziehen. Aber es kam wie es kommen sollte. Im Sommer sind wir über ein Kleinanzeigenportal auf ein Angebot in Goslar gestoßen. Wir fanden die Fotos in der Anzeige ganz ansprechend und der Preis von - ich erinnere mich nicht mehr genau - hat uns zunächst nicht abgeschreckt. Auf den Fotos sah das Haus gut in Schuss aus und an einem Acker gelegen. Wir haben in dem Haus Potenzial gesehen und wollten es uns wenigstens mal ansehen, um ein Gefühl dafür zu kriegen. Es kam aber natürlich alles anders.

Haustür Flur

Der Lockdown wurde aufgehoben und touristische Übernachtungen waren in Berlin wieder erlaubt. Um dem Corona-Trott für eine Weile zu entgehen, haben Björn und ich ein verlängertes Wochenende in Berlin gebucht. Dann fiel der Besichtigungstermin genau auf den Freitag, an dem wir fahren wollten. „Sollten wir bleiben und zur Besichtigung gehen oder doch lieber fahren und ein ein entspanntes Wochenende mit Sonnenschein, Eis, Ramen und Großstadtromantik verbringen?“ Wir haben uns für die Fahrt und gegen eine Besichtigung entschieden, aber Björns Eltern sind ohne uns zum Besichtigungstermin gefahren und haben uns danach berichtet, dass es sich um eine verwohnte Bruchbude handelte und es sich nicht lohnte überhaupt auch nur einen Cent zu investieren. Damit war das Thema Hauskauf für uns eigentlich abgeschlossen. Zwei Wochen später rief uns der Schwiegervater an: „Björn, ich schicke dir gleich ein Exposé. Sieh es dir bitte an und sag, ob wir einen Termin für euch vereinbaren sollen.“ Wir öffneten das Exposé und entdeckten unser zukünftiges Schmuckkästchen. Es ist ein Reihenmittelhaus aus den 60er Jahren. Vorher hat dort ein älteres Ehepaar gewohnt. Der Mann war Künstler und hat als Kunstlehrer gearbeitet. Er ist schon vor einigen Jahren verstorben. Seine Ehefrau hat die letzten Jahre alleine in dem Haus gelebt und ist 2021 auch verstorben. Sie hat ihren Garten geliebt und bis zum Schluss liebevoll gepflegt. Die Fotos strahlten Liebe, Geborgenheit und Gemütlichkeit aus und eine Ruhe, die wir in der Großstadt nie hatten. Das war vielleicht ein Zufall!

Wohnzimmer

Bis dahin war das Haus noch nicht auf dem Markt. Niemand außer uns und den wenigen anderen Personen wusste, dass es überhaupt zu verkaufen ist.

Björns Vater war zu Besuch beim Großvater und traf seinen Neffen, der gehört hat, dass wir uns ein Haus in Goslar ansehen wollten. Seine Freundin hat zufällig ein Exposé für ein Nachbarhaus bekommen und hat es ihrem Freund weitergeleitet, der es zunächst als Kapitalanlage kaufen wollte und sich dann gegen den Kauf entschieden hat. Er hat das Exposé dem Schwiegervater mitgegeben und dieser wiederum hat es an uns weitergeleitet. Bis dahin war das Haus noch nicht auf dem Markt. Niemand außer uns und den wenigen anderen Personen wusste, dass es überhaupt zu verkaufen ist. Der nächste verrückte Zufall war, dass das Haus in der gleichen Straße steht, in der der Schwiegervater aufgewachsen ist. „Kann das noch ein Zufall sein?“ , habe ich mich gefragt. Wir haben schnell einen Besichtigungstermin mit den Erben ausgemacht und nach der ersten Begehung zugesagt. Es war ein schönes Gefühl, in diesem Haus zu sein und dann erst der Blick vom Wohnzimmer aus in den Garten und auf den Apfelbaum, den Apfelbaum im Sommer. Wir haben sofort zugesagt und es nicht bereut, obwohl schon ein mulmiges Bauchgefühl dabei war. Ein Haus kauft man schließlich nicht alle Tage. Unsere Entscheidung ist sicher auch dadurch beschleunigt worden, dass die Verkäufer das Angebot am frühen Morgen doch noch bei eBay-Kleinanzeigen eingestellt haben und es über 1400 Aufrufe hatte. Das ist nun die Geschichte, die davon handelt, wie wir zu unserem Schmuckkästchen gekommen sind.

Es ist immer ein Vorteil in seinem Freundes- und Bekanntenkreis nachzufragen und mitzuteilen, dass man sich auf Immobiliensuche befindet. So hat man beim Hauskauf auch gleich einen Vertrauensvorschuss durch die bestehenden Beziehungen.

Aber welche Möglichkeiten gibt es noch an ein Exposé bzw. an ein Haus zu kommen? Im Zeitalter der Digitalisierung kann man auf Immobilienportalen suchen. Oft werden diese Angebote von Maklern eingestellt und nicht privat verkauft. Eine andere Möglichkeit ist, auf Kleinanzeigenportalen in der Rubrik Haus nach Immobilien zu suchen. Aber die gleiche Idee haben hunderttausende anderer Menschen auch. Es ist immer ein Vorteil in seinem Freundes- und Bekanntenkreis nachzufragen und mitzuteilen, dass man sich auf Immobiliensuche befindet. So hat man beim Hauskauf auch gleich einen Vertrauensvorschuss durch die bestehenden Beziehungen. Was mittlerweile eher unkonventionell ist, ist die Immobilienanzeigen in Zeitungen zu sichten oder selbst eine Anzeige zu schalten. Viele ältere Menschen nutzen das Medium Zeitung nach wie vor intensiv und genau das ist die Gruppe der Menschen, die ihre Häuser verkaufen will, weil sie sich verkleinern will oder nicht mehr alleine wohnen kann und auf Unterstützung angewiesen ist. Der nächste Weg ist auch ungewöhnlich, aber effektiv. Hast du schon mal darüber nachgedacht Flyer oder Visitenkarten zu erstellen mit der Überschrift: Wir interessieren uns für ihr Haus? Klingt komisch, hilft dir aber dabei an Häuser zu kommen, die noch nicht auf dem Markt sind. Der gleiche Tipp kommt witzigerweise auch in dem Buch “The Millionaire Next Door” vor. In diesem Flyer/Visitenkarte kannst du dich kurz vorstellen und dein Interesse bekunden. Hilfreich ist es immer, die Vorstellung so persönlich wie möglich zu gestalten. Diese Karten oder Flyer kannst in die Briefkästen der Häuser einwerfen, die dich interessieren. Du kannst auch vorher in deiner Stadt schauen, welche Häuser schon älter aussehen und nicht mehr intensiv von den Bewohnern gepflegt werden und eine Liste zusammenstellen. Natürlich darfst du dabei nicht aggressiv vorgehen und solltest die Entscheidung der Hausbesitzer respektieren, die sich nicht bei dir melden wollen.

Künstleratelier

Noch eine kuriose Geschichte zum Ende. Als die Sanierungsarbeiten in unserem Häuschen anfingen, besorgte die Schwiegermutter beim nahegelegenen Bäcker Mettbrötchen, um die Handwerker zu versorgen. Die Bäckerin war natürlich sehr interessiert, welches Haus denn saniert werden würde. Und als sie hörte, welche Adresse es war, sagte sie nur, dass ihr Sohn das Haus auch gerne gekauft hätte, aber die Anzeige war ja sofort wieder weg.